Projekt – Siebdruck, Bandshirts

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Will man T-Shirts in Miniauflage, so um die 10 Stück machen, kommt Siebdruck auf den ersten blick eigentlich nicht in Frage. Dafür scheinen Aufwand und Kosten unverhältnismäßig zu sein. zumindest zweiteres stellt sich bei genauerem hinsehen jedoch als überschaubar heraus. hier meine Erfahrung vom Druck der ersten Ships Funken Band-Shirts …

Entwurf

  • Vorne, Scribble (Danke Katha, kombe.net!) + Bandname
  • Hinten, eins von 3 ausgewählten Songzitaten (“everything. everything?”, “fear the past”, “let’s share some secrets …”)

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Werkzeuge

  • Sieb
  • Spachtel
  • Plexiglas zum fixieren
  • Haushaltshandschuhe
  • Kartons als unterlage

Verbrauchsmaterial

  • Diazo Sensitizer
  • Photoemulsion (“aktivierte” Photoemulsion hält ca. 6 Monate)
  • Farbe
  • Bleichmittel zum Säubern des Siebs
  • Eisstil aus Holz zum Farbe auftragen
Die eben aufgeführten Materialien kann man sich alle einzeln besorgen – für künftige Siebe werde ich mir das auch mal überlegen – zum Starten hat mir ein fertiges Set (inkl. Sieb, Spachtel, Farbe, Fotoemulsion) für okayene 60 Euro diese Arbeit schon mal abgenommen. dazu kommen erstmal nur die Ausgabe für das zu bedruckende Material, zb T-Shirts ~5 Euro/Stück, sowie Bleichmittel zum nachträglichen Säubern des Siebs.

Beispielrechnung

Siebdruckmaterial ~60 Euro
Säuberungswerkzeug, etc. ~10 Euro
Shirts x 12 (2 Shirts als Fehldrucke miteingerechnet) ~60 Euro
Gesamt ~130 Euro
macht also pro shirt 13 euro, bei 10 stück.

Vorgehensweise

1. Motiv drucken

auf normale Overheadfolie, einfarbig mit Laser- oder Tintenstrahldrucker. Der schwarze Druck kommt auf der Folie in der Regel leider nicht ganz deckend an, was jedoch beim belichten wichtig ist. Um die Deckkraft zu erhöhen habe ich Folien doppelt gedruckt und beim Belichten (kommt später) übereinandergelegt.

2. Sieb beschichten

Siebbeschichtung mischen:  kleines Fläschchen mit “Diazo Sensitizer”-Pulver halb mit Wasser füllen, gut durchschütteln. Fläschchen in Photoemulsion kippen, verrühren, 2 Stunden stehen lassen. Dadurch wird die Emulsion aktiviert und ist nun lichtempfindlich.

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Sieb beschichten, in dem es dünn von vorne und hinten mit Photoemulsion bespachtelt wird. Die Siebfläche muss komplett verschlossen sein, aber nur hauchdünn. Emulsionsreste zurück in den Behälter. ab jetzt bis zur belichtung sollte darauf geachtet werden, das Sieb in möglichst weitgehender Dunkelheit zu behandeln, um eine ungewollte Belichtung zu verhindern. um trotzdem nicht ganz im Dunkeln zu bleiben, kann man spezielle UV-Lampen oder einfach eine sehr schwache Beleuchtung nutzen. In meinem Fall hat ein einfaches Teelicht noch gut funktioniert.

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Sieb an einen dunklen, möglichst kühlen Ort bringen und trocknen lassen. der Vorgang kann mit einem Ventilator beschleunigt werden. Das Trocknen dauert auf diese weise ca. 1 Stunde. Das Sieb muss nun innerhalb von 2 Tagen belichtet werden.

3. Sieb belichten

Folie aussen auf das Sieb legen (Schrift sollte von innen richtig herum lesbar sein) und fixieren, zb mit einem darüber gelegten Stück Plexiglas. zum Belichten habe ich einen kleinen 150W Baustrahler in 60cm Abstand über das Sieb gehängt und ca. 35 Minuten gestrahlt. Dadurch verhärten die belichteten Stellen auf dem Sieb, während das duch die bedruckte Folie beschattete Motiv auswaschbar bleibt.

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Nach der Belichtungsphase Folie entfernen. Noch sieht man von dem Motiv nichts. Es taucht auf, sobald man das Sieb mit Wasser besprüht. Hab ich in meinem fall mit einem normalen Duschkopf gemacht. durch den Wasserdruck wird das Motiv freigelegt.

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4. Drucken!

Sieb auf zu bedruckende Fläche, zb Shirt, legen. Fixieren (im besten Fall drückt ein Helfer das Sieb auf den Stoff). Eine Linie Farbe mit einem Eisstiel oder Löffel auftragen. nicht zu viel, sonst “verstopft” das sieb sehr schnell. Schaber im 45° Winkel auf die Farbe setzen und über dem Motiv abziehen. Hin- und wenn nötig auch wieder zurück.

5. Fertig!

Übrig gebliebene Farbe zurück in die Dose. Sieb mit kühlem Wasser waschen. Das T-Shirts nach dem Trocknen von der Gegenseite kurz bügeln.

6. Sieb wiederbenutzen?

Das belichtete Sieb ist nur eine begrenzte Zeit haltbar, kann jedoch für weitere Belichtungen wiederverwendet werden. Zum Reinigen mit Küchen/Klopapier eine Fläche über dem Sieb erstellen, Mische aus halb Bleichmittel/halb Wasser drüber kippen, einwirken lassen. Wenn die Emulsion weich wird, mit einer Bürste säubern. Wie auch immer, die Beschichtung muss da wieder runter – dann kann es von vorne los gehen.

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Erfahrung vs. Masswnproduktion

hauptproblem erscheint mir die schnelle verstopfung des siebs zu sein. mit mehr erfahrung beim farbe abstreichen lässt sich hier sicher noch eine verbesserung erzielen, bislang muss ich jedoch  nach ca. 4 mal drucken das sieb waschen, damit die feinen strukturen in der schrift lesbar bleiben. waschen + trocken bedeuten immer eine unterbrechung von ca. 1 stunde und damit wird eine größere produktionsmenge auch schon ziemlich nervig/unmöglich. über tipps wäre ich natürlich dankbar.

[Korrektur] Bin jetzt einen Schritt weiter: Geachtet werden sollte auch auf die Luftfeuchtigkeit im Arbeitsraum (direkt neben der voll aufgedrehten Heizung drucken = schlecht). Die Feuchtigkeit lässt sich auch unterstützen indem immer mal wieder mit einem Wassersprüher das Sieb ganz leicht befeuchet. Und schließlich das Wichtigste – Das Sieb sollte immer geflutet (=mit Farbe gefüllt) bleiben auch wenn gerade nicht gedruckt wird bzw. der nächste Druck vorbereitet wird. Das hat bei mir die Wiederbenutzbarkeit des Siebs stark erhöht.

Bei Interesse an dem Thema, kann ich noch folgenden schön bebilderten Bericht empfehlen. Weitere Fotos von meiner Siebdrucksession gibt es bei flickr.

Gedanken

Will man T-Shirts selber machen und schreckt vor der nötigen Investition und vergleichsweise großem Zeitaufwand nicht zurück, sollte man Siebdrucken eigentlich gleich mal als Wochenendprojekt einplanen. das Druckergebnis ist einwandfrei, haltbar und das Gefühl sein eigenes fertig belichtetes Sieb in Händen zu halten absolut großartig!

Projekt 14.12.2008

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