Video Interviews – Aktuelles iPhone4/H4N Aufnahmesetup

Nach einer gewissen Zeit des von Videoproduktionen Angeödet- und Gelangweilt-seins, bin ich nun wieder dabei ein neues Aufnahme-Setup auszuprobieren – um etwaigen Erschöpfungszuständen entgegenzuwirken, allerdings nur unter folgenden Maximen:

  • Keine Bänder
  • Nix mehr unter HD
  • Ordentlicher Ton
  • Extrem Mobil

Hauptinspirationsquelle für die Erfüllung dieser Bedingungen sind die tollen Videofähigkeiten des iPhone4 und der Kopfhörerausgang des Zoom H4N. Hier mein aktuelles Setup …

Setup

Ton – H4n

Anständiger Ton ist erfahrungsgemäß das Hauptproblem allen Lo-fi Video Equipments. Günstige Camcorder haben  keine Audiopegelanzeige für das externe Mikrofon und im allerschlimmsten Fall nicht mal einen Kopfhörerausgang zum Abhören. Beides zusammen macht die Aufnahme zur Mutprobe. Eine Pegelanzeige oder Abhörmöglichkeit bietet das iPhone leider auch nicht. Daher fahre ich zweigleisig und nehme den Ton zusätzlich extern auf einem H4N auf. Das löst das Problem nicht, halbiert die Gefahr des Tonausfalls aber immerhin schon mal.

Die Aufnahmeauflösung/Abtastgenauigkeit stellt man am besten auf 24Bit/96Hz, um einen Tick mehr Spielraum/Signal-Rauschabstand beim nachträglichen Pegeln zu haben. Da es während der Aufnahme nicht möglich ist, den Ton abzuhören, pegle ich eher defensiv, werfe aber auch während des Interviews immer mal einen Blick auf das Gerät (beim Übersteuern geht ein Licht an, da weiß man Bescheid …). Die Aufnahme auf SD Karte lässt sich bei Bedarf direkt als Audio Podcastmaterial verwenden, für die Videovariante dient es jedoch nur als Backup.

Die tatsächliche Tonaufnahme landet direkt im iPhone … und zwar via iRig Line-In Adapter und Audio kabel – Alternativ lässt sich das auch komplett sebst basteln – Ich hab’s jedoch ganz gerne kompakt und spiele in diesem speziellen Fall nicht gerne an den blanken Drähten von Audiokabeln rum. Dreht man nun die Abhörlautstärke des H4N voll auf, landet die Audioaufnahme mit ausreichend lautem Pegel in der Kamera App. Party

Video – iPhone 4

Die Bildqualität ist erstaunlich, v.a. bei guter Lichtqualität. Man sollte jedoch beim Nutzen der Standard Video App die Fokus- und Belichtungs-Automatik im Auge behalten. Wer hier mehr Kontrolle will, greift zu einer alternativen Video App, z.B. Almost DSLR – dort kann manuell ein Belichtungs- und Fokuszustand eingestellt und “gelockt” werden.

Stativ

Leider konnte ich noch keine brauchbare und/oder erschwingliche Kamerastativlösung für das iPhone 4 finden. Als tauglich stellt sich jedoch auch folgendes Setup heraus:

Hama Handy KfZ Halterung (16 €) per Draht fest mit einem DSLR Gorilla pod verzurrt. Hat den Nachteil dass sich die Verdrahtung nicht “mal eben” auf und abnehmen lässt, dafür ist es eine erstaunlich solide Lösung, um das Phon auf dem Stativ zu fixieren.

Maximale Aufnahmelänge

Bei Videointerviews kritisch kann die Aufnahmelänge sein. Der grobe Erfahrungswert  …

  • 10 Minuten Full HD Video = ca. 1GB

… also darauf achten, dass genug freier Speicherplatz vorhanden ist. Wird das Limit erreicht, stoppt die Videoaufnahme mit einer Fehlermeldung. Das aufgezeichnete Material wird jedoch noch korrekt gespeichert. Zur Übertragung auf den Rechner empfiehlt sich Image Capture (eine der zu Unrecht unbekannteren Max Os X Standardapplikationen), damit spart man sich den nervigen Umweg über iPhoto und kann das Aufnahmematerial direkt in einen Order auf die Festplatte übertragen.

Licht – Baustrahler

Der am wenigsten mobile Teil des Setups. Doch auch wenn der Transport nervt, verwandelt sich dankbarerweise jedes bisschen Lumen auch direkt in sichtbare Videoqualität: Mehr Helligkeit = weniger Sensor Verstärkung = Weniger Rauschen = Mehr Schärfe + bessere Farben.

Wichtig ist nur den Baustrahler nicht direkt auf die Glatzen der Bandmitglieder schießen zu lassen (=Überbelichtungs-und Augenausbrenngefahr), sondern z.B. mit Panzertape ein Stück Frostfolie zur Dämpfung/Diffusion vor die Lampe zu hängen. Die Frostfolie gibts bei besser sortierten Fotoläden oder Videoequipment Verleihs. Ein Baustrahler reicht schon grundsätzlich zur vernünftigen Beleuchtung aus (mehr Watt ist besser), zwei sind perfekt.

Extras

Zusätzliche Kameras

In meinem Fall nutze ich die Harinezumi im Schwarzweissmodus als zusätzliche Effekt/Close-Up Kamera. Aufgrund deren Größe und Niedlichkeit lässt sich diese auch beim Interview noch locker in die Hand nehmen.

Vorsicht: Erfahrungsgemäß hält der frisch geladene Akku im Videoaufnahmemodus max. 40 min. durch. Die Aufnahmeauflösung beträgt 640 x 480 Pixel, fügt sich als nicht ganz perfekt in das iPhone 4 HD Videobild ein und erfüllt auch meine HD Vorgabe nicht. Naja, macht nix. Harinezumifaktor.

[Beispielvideo demnächst dann mal hier]

Equipmentliste

  • iPhone4
  • SLR Gorillapod
  • Harinezumi
  • iRig Kabel
  • 3,5 mm auf 1,5 mm Klinkensteckeradapter
  • 1,5 mm Audiokabel
  • H4N
  • Gorillapod, kleinere Version
  • Baustrahler
  • Stück Frostfolie
  • Panzertape

Meinungen, Anregungen, alternative Setups, gerne her damit! :)

Projekt 12.10.2010

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